Umfrage: Stress

Was bereitet Ihnen den meisten Stress?
 
IT 50 plus - Kick Off
04. Dezember 2008, Frankfurt a.M.
Logo_IT_50plusErkenntnisse aus dem Kick-off Workshop
„Initiative IT 50plus –  Strategien für
Personalentwicklung in der IT-Wirtschaft“

===========================================================

Die Begrüßung und Vorstellung der Initiative IT 50plus erfolgte durch Herrn Dr. Stephan Pfisterer, BITKOM e.V. und Herrn Dr. Michael Ehrke, IG Metall. Das vom BMBF geförderte Projekt hat zum Ziel Modelle zu entwickeln, die es ermöglichen, auch mit einer älteren Belegschaft in der ITK-Branche erfolgreich und innovativ arbeiten zu können. Die Personalentwicklung älterer, und somit auch erfahrener ITK-Fachkräfte sollte als strategische Aufgabe in Unternehmen verankert werden.

Im Vortrag von Bernd Dworschak (Fraunhofer-Insitut für Arbeitswissenschaft und Organisation) zum Thema „Demographischer Wandel und Arbeitswelt“ wurde aufgezeigt, dass sich bereits jetzt Veränderungen der Altersstruktur erkennen lassen, und diese Altersverschiebung auch in der ITK-Branche nicht unbemerkt bleiben wird. Das junge New-Economy-Zeitalter in der ITK-Wirtschaft verlagert sich langsam aber sicher aufgrund der demographischen Entwicklung, aber auch aufgrund des Fachkräftemangels und fehlender Hochschulabsolventen auf ein immer höheres Durchschnittsalter der Belegschaft zu. Die Veränderungen in der Altersstruktur lassen sich nicht aufhalten, aber es lässt sich erlernen, damit in der ITK-Wirtschaft umzugehen, und so müsste der Fokus auf die Personalentwicklung insbesondere jener Mitarbeiter gelegt werden, die das 40. Lebensjahr überschritten haben.

Die Demografiebeauftrate der SAP AG, Frau Heidrun Kleefeld, und Kooperationspartner der Initiative IT 50plus, berichtete über erste Erfahrungen im Umgang und der Planung des „Management des Demografischen Wandels“ innerhalb der „jungen“ SAP AG. Mit einem globalen Durchschnittsalter der SAP-Mitarbeiter von 37 Jahren (Dtl.: 38,5 Jahre) und einem Anteil von 8,1 % an >50Jährigen Mitarbeitern (Dtl.: 8,1%) ist die SAP AG zwar noch kein „alter Hase“ auf dem Gebiet, ist sich jedoch ihrer jetzigen und künftigen Aufgaben durchaus bewusst. Eine Prognose des Durschnittsalters bei der SAP AG von 44,3 Jahren für das Jahr 2015 zeigt, dass auch hier der demografische Wandel nicht unbemerkt bleibt.

Das Unternehmen arbeitet an gezielten Kommunikationskonzepten, um die Produktivität und die Gesundheit der Mitarbeiter über alle Altersgruppen hinweg zu fördern. Mit Instrumenten wie Vorsorge-Check-ups, Wellnessangeboten aber auch Krisen- und Konfliktberatung oder Unterstützung der Work-Life-Balance arbeiten sie präventiv an der Gesunderhaltung der Mitarbeiter. Eine der innovativen Ideen der Personalentwicklung der SAP ist z.B. das „Zeitkonto“. Mit der Möglichkeit, Geld auf ein „Zeitkonto“ einzuzahlen, auf dem Gelbeträge in Zeiteinheiten umgerechnet werden, kann man z.B. eine angesparte „Zeitsumme“ als Sabbatical Jahr oder auch in anderer Form der zeitnahen Erholung „ausgezahlt“ bekommen.

Am Nachmittag gab es World Cafés mit Experten zu verschiedenen Themen:

Im WorldCafé  „Präventionsbedarfe und Gesunderhaltung älterer Beschäftigter in der IT-Wirtschaft“ fragten sich die Teilnehmer, ob die psychischen Gesundheitsbelastungen in der ITK-Wirtschaft in den letzen Jahren angestiegen sind. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass diese Form von Belastung durchaus in den letzten Jahren angestiegen sind. Flexibilisierungen, Digitalisierung, technischer Fortschritt und Innovationsdruck, „Time-to-market“-Vorgaben, permanente Erreichbarkeit und hohe Mobilität sind Faktoren, die für den Anstieg der psychischen Belastungen verantwortlich sind. Dabei kam die Frage auf, ob „nur“ die Belastungen allein angestiegen sind, oder auch die Wahrnehmung der psychischen Belastungen höher geworden ist. Mit Blick auf die Gesundheit und die Innovationslust älterer Arbeitnehmer ist zu hinterfragen, ob einzig und allein Alterseffekte (höheres Alter), oder nicht auch etwa Jobeffekte (Beschäftigungdauer in einem UN, bzw. an einem Arbeitsplatz) auf die Innovationsfähigkeit, Produktivität und psychische Gesundheit Älterer einwirken.

Im World Café zum demographischen Wandel in der SAP AG konnten Themen vom Vormittag hier nochmals vertieft werden. Im Unterschied zu europäischen IT-Unternehmen hat die SAP AG aufgrund seiner amerikanischen Wurzeln, bisher keine Möglichkeit der Altersteilzeit angeboten, und somit auch bisher mit der plötzlichen Abwanderung älter Arbeitnehmer im klassischen Sinne der Frühverrentung keine Erfahrungen machen können. Das Instrument des „Zeitkontos“ auf dem Mitarbeiter Geld einzahlen können, und dieses in Freizeit umgerechnet wird, erfährt seitens der Beschäftigten positives Feedback und wird von über 50% der Belegschaft als „Sparinstrument“ genutzt. Es wurde deutlich, dass die Entwicklung von Gesunderhaltungs- und Präventionsmaßnahmen für Mitarbeiter in großen Unternehmen und Konzernen nicht unbedingt auf KMUs übertragen werden kann, da hier andere Bedingungen vorherrschen. Objektive Belastungen und subjektives Handling können und werden höchstwahrscheinlich variieren.

Im Worldcafé „Veränderungen der Jobrollen älterer Beschäftigter in Unternehmen“ erfuhren die Teilnehmer von Herrn Wolfang Mai mit welchen Instrumenten ältere Mitarbeiter bei der Siemens AG beschäftigungsfähig gehalten werden. Hierbei wird das Augenmerk weniger auf die reine Gesunderhaltung gelegt, sondern auf die Bedürfnisse und Wünsche eines jeden einzelnen Mitarbeiters. In persönlichen Gesprächen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter wird einerseits über die Qualifikationsanforderungen der Mitarbeiter gesprochen und Qualifizierungsmaßnahmen vereinbart, andererseits wird auch mit bestimmten Fragen und Kommunikationsmethoden der Mitarbeiter dazu angeregt, sich selbst zu beantworten „Was kann ich? Was will ich? Was ist mein Ziel?“. Auch im höheren Alter müssen Ziele neu gesteckt werden und der Weg dorthin eventuell neu überdacht werden. Die Wertschätzung und Förderung älterer Arbeitnehmer, z.B. durch Weiterbildungsmaßnahmen muss gefördert werden. Seitens der Café-Teilnehmer wurden Vorschläge gemacht, auch für ältere Arbeitnehmer berufsbegleitende Studiengänge einzuführen, um weiterhin am Markt „fit, hochqualifiziert und auf dem Laufenden“ zu sein.